Eigentlich eine harmlose Sache; nur etwas Blechschaden

Eigentlich eine harmlose Sache; nichts als ein Blechschaden und die Schuldfrage ist auch eindeutig. Die Unfallbeteiligten tauschten Namen, Anschriften und Versicherungen aus und die Geschädigte Frau M. fährt erst einmal beruhigt nach Hause. Die linke Seite ihres Audi A3 sieht zwar etwas ramponiert aus, aber immerhin, mit dem gerade einmal ein gutes Jahr alten Auto kann sie noch weiterfahren.

Frau M. ist angenehm überrascht als sich bereits am nächsten Morgen in aller Frühe die Versicherung des Unfallverursachers meldet. Die Frau am Telefon bringt mitfühlend ihr Bedauern zum Ausdruck, dass Frau M. durch den Unfall des Versicherungsnehmers der Versicherung geschädigt worden sei. Man wolle ihr selbstverständlich alle Unannehmlichkeiten abnehmen und sich um die Instandsetzung ihres Fahrzeuges persönlich kümmern. Bei so viel Freundlichkeit wäre Frau M. besser nachdenklich geworden. Doch so wird nun aus einem eigentlich harmlosen Unfall eine schier unendliche Geschichte.

Die Versicherung lässt ihr Fahrzeug noch am selben Vormittag abholen und „großzügigerweise“ stellt man Frau M. einen schicken Renault Twingo für die Dauer der Reparatur zur Verfügung. Nach fünf Tagen bekommt sie ihr Auto zurück und erhält sogar noch per Verrechnungsscheck 200 EUR für die so genannte Wertminderung. Die Reparaturrechnung der Werkstatt, die Frau M. zwar nicht kennt, die aber immerhin damit wirbt, Vertrauensbetrieb der Versicherung des Unfallverursachers zu sein, beläuft sich auf ca. 5.200 EUR und wurde selbstverständlich durch die Versicherung bereits ausgeglichen. Auf den ersten Blick erscheint dies Frau M. wie der perfekte Service.

Nur wenige Wochen später treten nun aber Probleme auf. Der schöne Audi zieht nach links, was Frau M. dazu veranlasst, ihren Audi-Betrieb aufzusuchen. Das Fahrzeug habe zwei Jahre Garantie, machte sie dem Annahmemeister im Audizentrum deutlich. Er teilt ihr mit, dass der Schaden durch eine unsachgemäße Reparatur eines Unfallschadens verursacht worden sei. Die Kosten einer Reparatur der Lenkung belaufen sich auf 1.000 EUR, die nicht durch die Garantie gedeckt seien. In diesem Zusammenhang wird Frau M. auch noch darauf hingewiesen, dass durch die Reparatur in einer nicht autorisierten Werkstatt ohnehin die vom Hersteller gewährte zweijährige Garantie erloschen ist. Schwierig sei es nun auch, nach Ablauf der Garantie für nach der Garantiezeit auftauchende Mängel Kulanz zu erhalten.

Jetzt begibt sich Frau M. zu einem Rechtsanwalt, der ihr leider bestätigt, dass der Lenkungsschaden, der auf der unsachgemäßen Reparatur ihres Fahrzeugs beruht, nicht durch die Garantie abgedeckt ist und dass der Garantiegeber berechtigt ist, sein Garantieversprechen daran zu knüpfen, dass das Fahrzeug ausschließlich in seinem Betrieb gewartet und nach einem Unfallschaden instandgesetzt wird. Man könne allerdings versuchen, die Kosten der Reparatur der Lenkung als Schadenersatz bei der Werkstatt geltend zu machen, die den Unfallschaden unsachgemäß behoben hat. Hier allerdings würden nicht unerhebliche Beweisprobleme auftauchen und zudem sei ein Prozess zumindest ohne Rechtschutzversicherung mit einem nicht unerheblichen Kostenrisiko belastet.

Die Überraschungen für Frau M. nehmen allerdings noch kein Ende. Der Anwalt weist Frau M. darauf hin, dass ihr als Unfallersatzfahrzeug selbstverständlich ein vergleichbarer Audi zugestanden hätte, und dass auch die Wertminderung von 200 EUR mit Sicherheit viel zu niedrig ermittelt worden sei. Bei einem 13 Monate alten Fahrzeug mit einem Neupreis von über 20.000 EUR und Reparaturkosten von über 5.000 EUR sei eine Wertminderung von nur 200 EUR geradezu lächerlich.

Der Rechtsanwalt macht Frau M. deutlich, dass sie gut beraten gewesen wäre, statt in die Vertrauenswerkstatt der gegnerischen Versicherung, in ihre Vertragswerkstatt zu gehen. In diesem Fall hätte sie sicher sein können, dass Garantie und Kulanz für ihr Fahrzeug nicht gefährdet sind. Mit Sicherheit hätte sie dort ein adäquates Ersatzfahrzeug bekommen oder stattdessen auch die ihr zustehende Nutzungsausfallentschädigung wählen können. Mit Sicherheit wäre sie dort auch auf ihr Recht, einen unabhängigen Sachverständigen und einen Anwalt hinzuzuziehen, hingewiesen worden.

Im Übrigen hätte es auch noch schlimmer kommen können, falls es im Nachhinein Streit über den Unfallhergang gibt. Ohne beweissicherndes Gutachten wäre man den Angaben des Versicherers des Unfallgegners hilflos ausgeliefert.

Frau M. jedenfalls ist sich sicher. Sie wird sich nach einem Unfall künftig nicht noch einmal auf Versprechungen des Versicherers einlassen, sondern direkt ihre Rechte wahrnehmen und ihr Fahrzeug in ihrer Fachwerkstatt des Vertrauens instandsetzen lassen. Dieses Recht steht ihr im Übrigen nicht nur bei einem unverschuldeten Unfall zu, sondern auch bei einem selbstverschuldeten Kaskoschaden ist das Recht des Autofahrers uneingeschränkt gegeben, die Werkstatt seines Vertrauens anzusteuern. Handelt es sich im Übrigen um ein Leasingfahrzeug oder um ein finanziertes Fahrzeug, ist er in aller Regel sogar verpflichtet, seinen qualifizierten Markenbetrieb aufzusuchen.

Quelle: BVSK-Presseinfo